Am 21. September 2026 werden in Steyr fünf weitere Stolpersteine verlegt. Die Gedenksteine erinnern an Menschen aus Steyr, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden. Mit der Verlegung setzt die Initiative „Stolpersteine für Steyr“ ihr Engagement für eine lebendige Erinnerungskultur fort. Seit 2023 erinnern in der Stadt bereits 26 Stolpersteine an jüdische Bürgerinnen und Bürger sowie an Opfer des NS-“Euthanasie”-Programms.
Marie Garde
Ein neuer Stolperstein in der Enge Gasse 18 ist Marie Garde gewidmet. Sie lebte mit ihrer Familie in Steyr und arbeitete als Modistin. Nach ihrer Vertreibung und Enteignung im Jahr 1938 floh die Familie nach Krakau. Im Krakauer Ghetto wurden ihr Ehemann Jakob sowie die Kinder Hugo, Walter und Renée 1942 ermordet. Marie Garde überlebte das Ghetto und mehrere Konzentrationslager und wurde 1945 in Theresienstadt befreit. Für ihre Angehörigen wurden bereits 2023 vier Stolpersteine verlegt.
Julius und Hedwig Stössl
Zwei weitere Stolpersteine werden vor dem ehemaligen Wohnhaus von Julius und Hedwig Stössl in der Schlüsselhofgasse 19 gesetzt. Julius Stössl war Rechtsanwalt, seine Frau Hedwig Pharmazeutin. Nach dem „Anschluss“ Österreichs wurde dem Ehepaar die Ausübung ihrer Berufe unmöglich gemacht. Ihr Haus wurde „arisiert“, die Familie musste nach Wien übersiedeln. Während den Kindern Albert und Gertrud die Flucht nach Kanada gelang, wurden die Eltern nach Theresienstadt deportiert. Julius Stössl wurde 1944 nach Auschwitz überstellt und ermordet. Hedwig Stössl überlebte die Verfolgung und emigrierte später nach Kalifornien.
Rosa Eisler und Margarete Füreder
Zwei Stolpersteine in der Sierninger Straße 80 erinnern an Rosa Eisler und ihre Tochter Margarete Füreder. Die beiden in Steyr geborenen Frauen konnten mit Hilfe von Franz Füreder nach Ungarn flüchten. Während Rosa Eisler 1944 nach Auschwitz deportiert wurde, gelang Margarete mit ihrer Tochter Alice das Überleben. Nach Kriegsende kehrte die Familie nach Steyr zurück. 1949 wanderte die Familie über Israel nach Kanada aus.
Stolpersteine machen sichtbar, dass an diesen Orten einst Nachbarinnen und Nachbarn lebten, deren Leben durch die NS-Verfolgung zerstört wurde. Die Messingtafeln im öffentlichen Raum geben den Opfern Namen, Geschichten und einen Platz im kollektiven Gedächtnis zurück.
Datum: Montag, 21.09.2026
Uhrzeit: 14:00 Uhr
Ort: Enge Gasse 18 und Schlüsselhofgasse 19, Steyr sowie weitere Verlegungsorte
Weitere Informationen: www.steyrerstolpersteine.at
